Dossier zu Klassismus im Kulturbetrieb

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In dieser Illustrationen werden die drei Sorten von Kapital darstegstellt: kulturelles kapital durch beispielsweise ein Diplom, ökonomisches kapital durch z.B. Geld und soziales Kapital durch menschen, die sich die Hände reichen.

 „Brotlose Kunst“ – der Kultur­be­reich ist berüchtigt für seine unsicheren Arbeits­ver­hält­nisse und schlechten Honorare. Und doch sind es bei genauerem Hinsehen überwiegend Menschen aus der (bildungs-)bürgerlichen Schicht, die eine Karriere im Kultur­be­reich machen und sich darin behaupten können. Begründet wird dies bis heute mit der vermeint­lichen Kultur­ferne anderer sozialer Gruppen, etwa der Arbeiter*innen- oder Armuts­klasse. Die gesell­schaft­liche Vielfalt bildet sich bislang kaum im Kultur­be­reich ab. Und auch wenn aktuell verstärkt Kultur­ver­an­stal­tungen zu Klassismus statt­finden, fehlen grund­le­gende Analysen, wie sich sozio-ökono­mische Benach­tei­ligung im kultu­rellen Feld auswirkt.

Das Dossier „Kunst kommt von Können? — Klassismus im Kultur­be­trieb“, das in Zusam­men­arbeit mit Diversity Arts Culture entstanden ist, soll einen Beitrag zur derzei­tigen Debatte um Klassismus im Kultur­be­trieb leisten. Die Sammlung kann einen ersten Überblick bieten, welche Perspek­tiven zu Klassismus im Kultur­be­trieb bereits vorhanden sind, aber auch, wo es Leerstellen gibt.

Für das Dossier wurden Expert*innen oder Akteur*innen gesucht, die sich in ihrer Forschung, in prakti­scher Ausein­an­der­setzung oder durch eigene Erfahrung mit dem Thema Klassismus (idealer­weise im Kultur­be­trieb und/oder in der Kultu­rellen Bildung) beschäf­tigen. Erhalten haben wir 141 Einrei­chungen für Audio‑, Video‑, Text- oder Bildbei­träge. Ausge­wählt wurden 12 Beiträge, davon sind die ersten vier nun online:

Yasmina Bellounar und Francis Seeck besprechen in „Macht und Klassen­be­wusstsein in der Kultu­relle Bildung“ folgende Fragen: Welche Ansätze können helfen, mehr Chancen­ge­rech­tigkeit in der und durch die Kultu­relle Bildung zu ermög­lichen? Wer und was muss sich dabei ändern?

Verena Brakonier, Greta Grand­erath und Jivan Frenster legen mit ihrem Film „Hände“ eine Recherche zum Thema Klassismus vor, die eigene und familiäre Erfah­rungen mitwir­kender Passant*innen mit Geschichten der eigenen Hände Arbeit verknüpft und viele verschiedene Perspek­tiven aufwirft.

Michael Annoff gibt in „Das Eis ist dünn [aber das Wasser ist lauwarm]“ einen zeitge­schicht­lichen und (kultur-)politischen Überblick über Klassismus im Kultur­be­reich und stellt die aktuelle Klassismus-Debatte bishe­rigen materia­lis­ti­schen Kritiken an Klassen­ver­hält­nissen gegenüber.

Dr. Dr. Daniele Daude reflek­tiert in „Zugehö­rig­keits­kon­trolle im Konzertsaal“ die Bedeutung von Klasse in der Klassik.

Die weiteren Beiträge erscheinen dann in den nächsten Monaten.